Ah, Pilze. Über eine Milliarde Jahre Evolution steckt in diesen unscheinbaren Organismen, und die Natur hat die Zeit gut genutzt. Forschende gehen davon aus, dass es bis zu 10 Millionen Pilzarten gibt. Zum Vergleich: Bäume bringen es gerade einmal auf unter 100.000 Arten.
Diese Vielfalt macht Pilze unglaublich spannend. Wir kennen sie als leckeren Bestandteil auf dem Teller, als Grundlage für Penicillin und weniger empfehlenswert, als Fliegenpilz. Doch das ist erst der Anfang. Pilze können noch so viel mehr.
Weltweit entdecken Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler neue Möglichkeiten, wie Pilze unser Leben verändern können. Hier sind drei Entwicklungen, die zeigen, warum Pilze vielleicht der „Werkstoff“ des 21. Jahrhunderts werden könnten.
Pilze als Baumaterial: Von Kalifornien bis zum Mars
Ja, richtig gelesen: Häuser aus Pilzen.
In Oakland, Kalifornien, entsteht aktuell ein mehrstöckiger Wohnkomplex namens „The Phönix“. Das Besondere: Die Fassade besteht aus Pilzpaneelen, einer Mischung aus Myzel (das Wurzelgeflecht des Pilzes) und Hanffasern.
Diese Paneele dämmen von Natur aus, sind feuerfest und schallabsorbierend. Außerdem sind sie CO₂-negativ, binden also mehr CO₂, als sie verursachen.

Noch spannender: In Namibia baut ein Team unter dem Namen MycoHAB ganze Häuser aus Myzel-Ziegeln. Die Ziegel entstehen aus dem Myzel des Austernpilzes und Biomasse, die ohnehin vor Ort vorhanden ist. Sie werden gepresst und gebacken, und das Ergebnis ist leichter, feuerhemmender und stabiler als Beton.
Und was macht die NASA? Die denkt gleich größer. Ihre Vision: Gebäude, die auf dem Mars aus Myzel von selbst wachsen. Eine leichte Rahmenstruktur wird ausgelegt, Myzel dazu, Wasser hinzu, und das Haus wächst einfach. Science-Fiction? Noch. Aber erste Tests sind schon geplant.
Pilzleder: Nachhaltig und luxuriös
Leder ist schön, aber die Produktion ist umweltbelastend. Chemikalien wie Chromsalze verseuchen Wasser, und die Rinderhaltung ist einer der größten CO₂-Treiber weltweit.
Die Lösung könnte Pilzleder sein. Start-ups wie Bolt Threads züchten ein Material namens Mylo, das in Dunkelheit wächst und so aussieht, sich so anfühlt und so langlebig ist wie echtes Leder.
Marken wie Adidas oder Lululemon experimentieren bereits damit, ein erster Schritt in eine nachhaltigere Modeindustrie.
Pilze als Computer? Willkommen in der Pilzmatrix
Pilze sind nicht nur still, sie sind auch erstaunlich kommunikativ. Myzel-Netzwerke übertragen elektrische Signale, tauschen Informationen aus und reagieren auf Reize.
Forschende der University of the West of England nutzen diese Eigenschaften, um Pilze auf Computer-Motherboards wachsen zu lassen. Ziel: eine Schnittstelle zwischen biologischem und digitalem Netzwerk.
Langfristig könnten Pilze so als biologische Prozessoren dienen, ein völlig neuer Ansatz, der eines Tages vielleicht unser Gehirn direkt mit Computern vernetzen könnte.
Die Zukunft wird pilzig
Ob Häuser, Mode oder Computer – Pilze sind mehr als nur ein Küchenklassiker. Sie sind vielseitige, nachhaltige und hochintelligente Partner, die uns in Zukunft in vielen Lebensbereichen begleiten könnten.
Was denkst du: Werden Pilze die geheime Supermacht der nächsten Jahrzehnte?